Über Fred Lang

Bin Autor und Fotograf, verheiratet, Generation 80+, habe 3 erwachsene Kinder und wohne im ALTEN LAND an der Elbe südw. von Hamburg. Ich schreibe schon seit vielen Jahren Gedichte und Kurzgeschichten, habe drei Bücher veröffentlicht und bin mit einigen Beiträgen in Anthologien und auch Schulbüchern vertreten. Zwei Hörbücher, ein Kurzfilm auf Video-CD, sowie diverse Veröffentlichungen auf Literaturseiten im Internet kommen hinzu. Meine Texte und Bilder präsentiere ich oft mit Augenzwinkern.

Der Gefährder

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Guten Tag! Gefährder.

Dr. Schräg: Guten Tag, Herr Gefährder!

Anrufer: Nein, das ist nicht mein Name.

Dr. Schräg: Sie haben sich doch als Gefährder vorgestellt. Oder habe ich mich verhört?.

Anrufer: Nein, Sie haben sich nicht verhört und Sie haben natürlich recht.

Dr. Schräg: Ich komme jetzt nicht ganz mit. Sie sind also nicht Gefährder?

Anrufer: Mein Name tut nichts zur Sache. Gefährder bin ich trotzdem.

Dr. Schräg: Also ehrlich gesagt verstehe ich jetzt nur noch Bahnhof. Was genau ist denn überhaupt Ihr Problem?

Anrufer: Wie schon gesagt bin ich ein Gefährder und das sagt auch die Polizei.

Dr. Schräg: Das sagt auch die Polizei. Aha!

Anrufer: Das stand doch in der Presse, dass allen Gefährdern künftig Fußfesseln angelegt werden sollen, damit man immer weiß wo sie sich gerade aufhalten.

Dr. Schräg: Sagen Sie mal, weiß Ihre Organisation, dass Sie mich anrufen?

Anrufer: Ich bin langjähriges Mitglied, habe denen aber nicht gesagt, dass ich mit Ihnen Kontakt aufnehmen werde.

Dr. Schräg: Dann bin ich ja beruhigt.

Anrufer: Das können Sie auch sein. Ich tue Ihnen nichts, auch wenn ich ein Gefährder bin.

Dr. Schräg: Ich wiederhole noch einmal meine Frage. Was genau ist Ihr Problem?

Anrufer: Ich fühle mich ausgegrenzt und stigmatisiert.

Dr. Schräg: Das müssen Sie mir aber jetzt näher erklären. Von wem fühlen Sie sich ausgegrenzt?

Anrufer: Meine Aktivitäten als Gefährder sind stark eingeschränkt und es wird leider von staatlicher Seite alles getan, um mich zu diskriminieren. Auch in den Medien wird unsere Gruppe als besonders gefährlich und als große Bedrohung für das Leben anderer Menschen dargestellt.

Dr. Schräg: Ja stimmt das denn nicht? Man erfährt doch als Gefährdeter fast täglich von der Gefährlichkeit ihrer Gruppe für die Gesundheit, bzw. das Leben anderer Menschen. Sogar für Sie als Gefährder ist das sehr gefährlich und die Folgen sind ja hinlänglich bekannt.

Anrufer: Aber man muss uns doch deswegen nicht an die Kette legen wie bissige Hunde, und einen Maulkorb will ich auch nicht tragen.

Dr. Schräg: Das kann ich verstehen.

Anrufer: Schön, dass es noch Menschen gibt, die Verständnis für uns sowohl als Gefährder als auch selbst Gefährdete aufbringen.

Dr. Schräg: Was kann ich denn jetzt ganz konkret für Sie tun?

Anrufer: Als Gefährder, der gleichzeitig auch selbst gefährdet ist, ist das auf die Dauer natürlich sehr gefährlich wie Sie schon ganz richtig gesagt haben. Mir ist dies in seiner Bedeutung erst jetzt im Gespräch mit Ihnen so richtig klar geworden.

Dr. Schräg: Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt kommt es sehr darauf an, wie Sie mit dieser neuen Erkenntnis umgehen.

Anrufer: Was schlagen Sie als Fachmann für gefährliche Selbstgefährder wie ich einer bin, denn als nächsten Schritt vor?

Dr. Schräg: Zu allererst müssen Sie zu den Mitgliedern Ihrer Gruppe und deren radikalen Ideologie innerlich auf Distanz gehen. In einem zweiten Schritt sollten Sie zu staatlichen Stellen, deren Aufgabe es ist, Menschen wie Ihnen beim Ausstieg aus diesem Milieu nach Kräften zu helfen, Kontakt aufnehmen. Eine neue Identität zu erhalten, ist in Ihrem Fall unbedingt erforderlich.

Anrufer: Also jetzt verstehe zur Abwechslung mal ich nur Bahnhof. Als starker Raucher weiß ich um die Gefährlichkeit meiner Sucht für mich und andere. Deshalb muss ich mich aber nicht von meiner Gruppe distanzieren und eine neue Identität annehmen. Was denken Sie denn von mir!

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Stille Nacht, niemand kracht

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Advent, Advent! Kranz und Kerzenlichter. Besinnliche Stunden im Kreis der Lieben. Bald ist wieder Weihnachten. Das Fest des Friedens und der Liebe, aber auch der Geschenke. Vor allem der Geschenke!
Für die Kinder, die Oma und den Opa, die Tanten und die Onkel. Für die Freunde.
Ich weiß auch schon ganz genau, was ich mir selbst wünsche: Geräusche.
Ja, Sie haben richtig gelesen, aber ich muß das wohl erklären. Wer kennt sie nicht, die spontanen und nicht immer ganz feinen Töne des Lebensgefährten: Beim Essen und Trinken, beim Lieben und beim Schlafen. Ich habe mich daran gewöhnt. Meine Partnerin offenbar nicht. Sie ist auf und davon. Nun herrscht sausende Stille. Ich bin allein und fühle mich deprimiert. Niemand schmatzt, schlabbert und rülpst. Keiner jauchzt oder schnarcht. Nicht auszuhalten!
Doch es gibt Abhilfe: Sie ist rund, aber nicht dick. Hat man sie einmal bezahlt, steht sie jederzeit zur Verfügung. Immer wieder! Fast eine Stunde lang gibt sie ihr Bestes, um auch den Anspruchsvollsten zufrieden zu stellen.
Es handelt sich um eine brandneue CD für einsame Singles, mit einer großen Auswahl an vertrauten Tönen vergangener Zweisamkeit. Der passende Titel: Nie mehr allein! Und das Schönste: Man kann sie jederzeit abschalten.

Der Mann am Fenster

Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Hallo!

Dr. Schräg: Guten Tag!

Anruferin: Wer ist da?

Dr. Schräg: Dr. Schräg am Apparat. Was kann ich für Sie tun?

Anruferin: Da steht immer ein Mann!

Dr. Schräg: Aha! Wo steht denn der Mann und was macht er?

Anruferin: Er steht im Haus gegenüber am offenen Fenster und machen tut er nichts.

Dr. Schräg: Er steht am Fenster und macht nichts.

Anruferin: Er schaut nur.

Dr. Schräg: Wohin schaut er denn?

Anruferin: Er schaut mich an.

Dr. Schräg: Er steht also nur da und schaut Sie an. Können Sie ihn beschreiben? Wie sieht er denn aus und was hat er an?

Anruferin: Er schaut irgendwie merkwürdig. So, als ob er auf etwas wartet. Er hat ein weißes Unterhemd an, aber was er sonst noch trägt kann ich leider nicht sehen.

Dr. Schräg: Bitte entschuldigen Sie die Frage, aber Sie sind vollständig angezogen?

Anruferin: Natürlich! Was denken Sie denn, ich bin eine anständige Frau und zeige mich nicht halbnackt.

Dr. Schräg: Aber Sie stehen doch auch am Fenster und schauen hinüber.

Anruferin: Ja, aber …

Dr. Schräg: Der Mann steht also in seiner Wohnung am Fenster und schaut Sie an. Und Sie stehen auch am Fenster und schauen ihn an. Ist das richtig?

Anruferin: Ja, das stimmt.

Dr. Schräg: Jeder Mensch kann einen anderen Menschen anschauen. Das ist nicht verboten. Es sei denn, man verletzt seine Privatsphäre. Wie zum Beispiel ein Voyeur, ein Spanner.

Anruferin: Der Mann steht aber immer da, Tag und Nacht!

Dr. Schräg: Habe ich richtig gehört, er steht Tag und Nacht am Fenster?

Anruferin: Na ja, fast immer. Er muss ja auch mal …

Dr. Schräg: Sie meinen, er muss auch mal essen oder schlafen.

Anruferin: Genau! Und er muss sicher auch gelegentlich auf die Toilette.

Dr. Schräg: Also, ich verstehe Ihr Problem immer noch nicht. Was irritiert Sie denn so an dem Mann? Schauen Sie doch einfach nicht mehr hin.

Anruferin: Das sagt mein Mann auch. Ich soll einfach nicht mehr hinschauen.

Dr. Schräg: Damit hat er vollkommen Recht.

Anruferin: Das kann ja sein, aber es geht nicht.

Dr. Schräg: Es geht nicht?

Anruferin: Nein, weil der Mann seit heute morgen viel höher steht, wahrscheinlich steht er auf einer Trittleiter.

Dr. Schräg: Er steht auf einer Leiter, sagen Sie. Wie weit ist es eigentlich bis zu ihm?

Anruferin: Na ja, so ungefähr 10 Meter. Ich kann übrigens jetzt sehen, dass er nur ein weißes Unterhemd trägt und sonst nichts.

Dr. Schräg: Aha! Er ist also ein Exhibitionist und Sie erliegen nun dem ganz natürlichen Reflex der Neugierde.

Anruferin: Na ja, ich habe ihm jedenfalls vorhin zugewinkt und gelacht.

Dr. Schräg: Das ist doch schön. Es beweist Ihre Toleranz diesem psychisch kranken Menschen gegenüber.

Anruferin: Leider hat das dem Mann aber überhaupt nicht gefallen. Er hat sich gleich umgedreht und jetzt sehe ich ihn nur noch von hinten.

Dr. Schräg: Das ist aber ziemlich unhöflich von ihm, finde ich.

Anruferin: Das denke ich auch und ich möchte, dass er sich mir wieder von vorne zeigt. Haben Sie vielleicht einen Rat für mich, was ich da machen kann? Von vorne ist er nämlich viel schöner anzusehen, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Dr. Schräg: Sie glauben gar nicht, was ich bei meinem Beruf alles verstehen muss. Also, da könnte ich Ihnen …

Anruferin: Herr Doktor! Doktor Schräg! Jetzt hat der Mann plötzlich einen Strick in der Hand und fummelt damit rum.

Dr. Schräg: Er hat einen Strick und er fummelt rum?

Anruferin: Ja, er hat am Ende eine Schlinge geknotet und nun legt er sie sich um den Hals und … oh mein Gott, er will sich doch nicht … Nein! Das ist ja furchtbar! Was mache ich jetzt bloß?

Dr. Schräg: Ich wiederhole meinen Rat. Schauen Sie einfach nicht mehr hin.

Wo drückt der Schuh?

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Tjaaaa, also ich …

Dr. Schräg: Kann ich Ihnen helfen?

Anruferin: Ich weiß nicht, ob …

Dr. Schräg: Sie wissen nicht, ob Sie sich mir anvertrauen können.

Anruferin: Genau!

Dr. Schräg: Versuchen Sie es einfach mal und dann sehen wir weiter.

Anruferin: Tjaaa, wenn das so einfach wäre, dann …

Dr. Schräg: Dann?

Anruferin: Also gut, ich will’s mal versuchen. Wissen Sie, ich bin Witwe und schon etwas älter, aber noch ganz gut beisammen. Geistig sowieso, aber auch körperlich. Und ich habe gewisse Bedürfnisse. Sie verstehen, was ich meine?

Dr. Schräg: Nicht ganz.

Anruferin: Immer allein zu sein ist doof. Daher habe ich vor einiger Zeit im „Gauweiler Tageblatt“ eine Kontaktanzeige aufgegeben:
Reife Frau in der Blüte ihrer Jahre, alleinstehend, sucht netten Mann (Nichtraucher) für gemeinsame Unternehmungen.

Dr. Schräg: Ja. Und wo drückt nun der Schuh?

Anruferin: Woher wissen Sie das mit den Schuhen? Ich habe doch noch gar nichts erzählt.

Dr. Schräg: Das ist doch nur eine Redensart.

Anruferin: Ach so.

Dr. Schräg: Ihre Schuhe drücken. Habe ich das jetzt richtig verstanden?

Anruferin: Nein, meine Schuhe drücken nicht. Es gibt aber trotzdem ein Problem mit meinen Schuhen.

Dr. Schräg: Und welches?

Anruferin: Ja, wissen Sie, ich habe kürzlich einen Mann aufgrund meiner Anzeige kennengelernt. Eigentlich ist er ganz nett, aber etwas stört mich an ihm.

Dr. Schräg: Etwas stört Sie an dem Mann.

Anruferin: Ja. Er ist ganz verrückt nach meinen Schuhen. Vor allem nach denen, die ich schon länger trage. Das ist doch nicht normal, oder?

Dr. Schräg: Was macht Ihr Bekannter denn genau mit den Schuhen?

Anruferin: Er schnüffelt an ihnen rum, vor allem innen drin. Er sieht dabei richtig glücklich aus.

Dr. Schräg: Er schnüffelt und sieht glücklich aus.

Anruferin: Ja. Und dann macht er sich auch noch Notizen.

Dr. Schräg: Er macht sich Notizen. Und was schreibt er?

Anruferin: Daraus werde ich nicht so richtig schlau. Es sind einzelne Buchstaben und dahinter stehen Zahlen. Manchmal auch in Klammern.

Dr. Schräg: Das könnten Formeln sein. Was ist Ihr Bekannter eigentlich von Beruf?

Anruferin: So genau weiß ich das nicht. Es hat irgendwie mit Fermoronen oder wie das Zeug heißt zu tun. Er sagt, dass er ständig auf der Jagd nach ihnen wäre.

Dr. Schräg: Pheromone sind Sexual-Lockstoffe. Wahrscheinlich haben Ihre Schuhe einen ganz besonderen Geruch, den er dann später im Labor synthetisch erzeugt und in Kombination mit anderen Düften zu einem neuen Parfüm kreiert.

Anruferin: Sie meinen also, dass meine ollen Schweißlatschen mit dazu beitragen, dass Männer sexuell angeregt werden?

Dr. Schräg: Das ist durchaus möglich.

Anruferin: Dann brauch‘ ich mir also keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob mit meinem Bekannten alles stimmt. Schönen Dank für Ihre Hilfe!

Dr. Schräg: Gern geschehen.

Immer bei der Wahrheit bleiben

Dr. Schräg, Psychologe!

Anrufer: Hallo Herr Doktor!

Dr. Schräg: Ja, bitte?

Anrufer: Guten Abend! Ich bin Rentner und habe jetzt auch eine eigene Hompaitsch. Da wollte ich mal anfragen, ob man, also wenn man da über sich berichtet, ob man dann immer bei der Wahrheit bleiben muss oder auch mal … Sie wissen schon.

Dr. Schräg: Sie haben also eine eigene Homepage und wollen wissen, ob man darin genaue Angaben über sich machen muss.

Anrufer: Genau! Ich bin fünfundsiebzig, sehe aber jünger aus. Da ist auch meine neue Perücke dran schuld. Sie hat nämlich nordeuropäisches Haar, kein asiatisches! Vor dem Schlafengehen nehme ich sie immer ab, weil mich dann sowieso niemand sieht. Auch meine Brille nehme ich dann ab. Es ist ja dunkel im Zimmer und es gibt nichts zu sehen, außer wenn ich träume. Aber da habe ich sie noch nie vermisst. Ist eigentlich komisch, oder? Mein Gebiss tu ich übrigens in ein Glas Wasser, damit es desfinzifiert wird.

Dr. Schräg: Es wird desinfiziert. Sie leben also allein?

Anrufer: Ja. Meine Frau ist vor kurzem verstorben. Deshalb hat mir mein Sohn auch eine Hompaitsch eingerichtet.

Dr. Schräg: Ich verstehe nicht ganz den Zusammenhang.

Anrufer: Ja, wissen Sie, ich habe beim Arzt, der mich wegen meiner Hämmoridden oder wie das nun heißt und noch anderer Sachen behandelt, in einer Zeitschrift gelesen, dass man als Alleinstehender mit eigener Hompaitsch mehr Chancen bei Frauen hat. Dort können sie sich nämlich alles von einem angucken. Na ja, fast alles.

Dr. Schräg: Sie meinen wahrscheinlich eine Kontaktbörse für Singles im Internet.

Anrufer: Genau! Da wird doch immer nach Fotos von einem gefragt und wie alt man ist und solche Sachen. Und wo man wohnt und welche Hobbys man hat, wird auch oft gefragt.

Dr. Schräg: Sie wollen also wissen, ob man auf seiner Homepage immer zutreffende Angaben über sich und seine Verhältnisse machen muss.

Anrufer: Genau! Wissen Sie, ich will ja nicht gleich wieder heiraten, einfach ab und zu ein bisschen Spaß haben, wenn Sie verstehen, was ich meine. Wissen Sie, ich bin noch ganz rüstig – auch da unten!

Dr. Schräg: Das ist schön für Sie. Den Frauen würde es allerdings beim ersten persönlichen Treffen sofort auffallen, wenn Sie zum Beispiel falsche Angaben über Ihr Äußeres machen.

Anrufer: Deshalb frage ich Sie ja auch, Herr Doktor.

Dr. Schräg: Ich rate Ihnen sehr bei der Wahrheit zu bleiben. Dass Sie eine Perücke tragen und keine echten Zähne mehr haben, müssen Sie ja nicht gleich erzählen. Und dass Sie wegen ihrer Hämorrhoiden und „anderer Sachen“ in ärztlicher Behandlung sind, müssen Sie auch nicht sofort erwähnen.  In Ihrem Alter kommt es doch sowieso mehr auf die inneren Werte an und die äußere Hülle ist da eher unwichtig.

Anrufer: Das haben Sie schön gesagt, Dr. Schräg. Vielen Dank!

Dr. Schräg: Gern geschehen!

Zu schnell unterwegs

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo Herr Doktor, ich wollte mich mal mit Ihnen austauschen.

Dr. Schräg: Ja, bitte!

Anrufer: Also, ich bin vorbestraft, aber sonst geht’s mir gut.

Dr. Schräg: Sie sind vorbestraft und es geht Ihnen gut.

Anrufer: Ja, das stimmt. Manchmal denke ich, dass alles viel zu schnell gegangen ist.

Dr. Schräg: Alles ist zu schnell gegangen.

Anrufer: Ja. Wissen Sie, ich bin nämlich ein Kapitän.

Dr. Schräg: Sie meinen, Sie sind ein richtiger Kapitän und haben ein Schiff?

Anrufer: Nein, nein. Ich bin, nee, ich war mal ein „Kapitän der Landstraße“ und immer verdammt schnell unterwegs. Das können Sie mir glauben.

Dr. Schräg: Sie waren also Fernfahrer. Interessant!

Anrufer: Ja, und schnell war ich. Das hat auch mein Chef immer gesagt. Freddy hat er gesagt, du bist der Schnellste.

Dr. Schräg: Aber ist das nicht gefährlich, ich meine, so mit 40 Tonnen im Rücken? Und dann steht nachts plötzlich ein Reh auf der Straße.

Anrufer: Wenn’s doch nur ein Reh gewesen wäre, aber es war eine Frau.

Dr. Schräg: Und da wollten Sie höflich sein und haben angehalten.

Anrufer: Genau! Wie die Frau da so hilflos am Fahrbahnrand stand und mir zuwinkte, da konnte ich gar nicht anders.

Dr. Schräg: Sie konnten nicht anders.

Anrufer: Sie hatte übrigens nur Stiefel an und sonst nichts. Und bei kaltem Wetter ist das für einen Spaziergang zu wenig und für die Gesundheit ist es auch schädlich. Finden Sie nicht?

Dr. Schräg: Ja, das finde ich auch.

Anrufer: Sehen Sie, und genau deshalb bin ich sofort in die Eisen gegangen…äh, habe heftig auf die Bremse getreten. Aber das hätte ich lieber nicht tun sollen.

Dr. Schräg: Das verstehe ich jetzt aber nicht ganz. Sie wollten der Dame doch helfen.

Anrufer: Ach, das war überhaupt keine Dame. Das war ein Lockvogel.

Dr. Schräg: Ein Lockvogel?

Anrufer: Als ich nämlich meinen Brummi zum Stehen gebracht hatte und ich wieder rausguckte, da war sie weg.

Dr. Schräg: Sie war weg?

Anrufer: Ja, aber dafür standen zwei Kerle da und zielten mit ihren Knarren auf mich. Da habe ich natürlich sofort wieder Gas gegeben. Nicht zu wenig, das können Sie mir glauben.

Dr. Schräg: Das glaube ich Ihnen aufs Wort. Und was ist dann passiert?

Anrufer: Die beiden Typen sprangen zur Seite und mein 40-Tonner raste nur ganz knapp an ihnen vorbei.

Dr. Schräg: Sie waren bestimmt froh, dass es alles in allem doch noch so gut für Sie ausgegangen ist.

Anrufer: Ja, das hat aber nicht lange vorgehalten. Und wenn Freddy erst mal schlechte Laune hat, dann … Übrigens, das hat mein Chef auch immer zu mir gesagt. Freddy, wenn du erst mal schlechte Laune hast, dann …

Dr. Schräg: Dann?

Anrufer: Tjaa … ich habe meinen Brummi an der nächsten geeigneten Stelle gewendet und bin zurückgefahren.

Dr. Schräg: Sie sind wieder zurückgefahren, hatten Sie denn gar keine Angst?

Anrufer: Nein, ich war ja wütend.

Dr. Schräg: Und was geschah dann? Und warum sind Sie jetzt eigentlich vorbestraft?

Anrufer: Weil ich zu schnell war und jemand überfahren habe. Ich war zeitlich gesehen doch schon ziemlich im Rückstand und musste mich jetzt beeilen.
Hätten denn Sie angehalten, als nach der Umkehr an der gleichen Stelle wieder eine nackte Frau am Fahrbahnrand winkte? Ich jedenfalls nicht und versehentlich bin ich dann wohl etwas zu weit nach rechts abgekommen.

Dr. Schräg: Sie sind etwas abgekommen. Also, wenn ich mir das so überlege … Nein, ich hätte auch nicht angehalten. Und vielleicht wäre auch ich ein kleines bisschen zu nahe an sie rangefahren – aus Versehen natürlich!

Anrufer: Danke, Herr Doktor Schräg!

Dr. Schräg: Gern geschehen!

Der Putzteufel

Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Guten Tag, Herr Doktor!

Dr. Schräg: Guten Tag! Was haben Sie denn auf dem Herzen?

Anruferin: Ja, also direkt auf dem Herzen habe ich nichts, es sind eher die Augen.

Dr. Schräg: Sie sind sehbehindert?

Anruferin: Nein, nein! Ich wäre aber froh, wenn ich nichts mehr sehen würde.

Dr. Schräg: Sie wären froh, wenn Sie nichts sehen würden?

Anruferin: Ja, so ist es. Lange halte ich es bestimmt nicht mehr aus und es wird immer schlimmer und schlimmer.

Dr. Schräg: Was wird denn immer schlimmer? Sie müssen sich schon ein bisschen klarer ausdrücken, ich bin Psychologe und kein Hellseher.

Anruferin: Oh Verzeihung, Herr Doktor! Tut mir leid, dass Sie nur ein Pyschlogoge sind. Ich dachte, dass alle Doktors immer gleich Bescheid wissen. Sie haben doch auf solche Sachen studiert, oder?

Dr. Schräg: Ja, aber Hellsehen kann ich nicht. Leider!

Anruferin: Das ist schade. Nun muss ich ja ganz von vorn anfangen.

Dr. Schräg: Das wäre schön.

Anruferin: Ja, wissen Sie, es geht um meinen Mann. Seit einem halben Jahr ist er Rentner und putzt.

Dr. Schräg: Er ist Rentner und putzt. Das kommt nicht so oft vor. War er zwischendurch mal Hausmann?

Anruferin: Erwin, ein Hausmann? Nee, wo denken Sie hin! Erwin hat immer gearbeitet.

Dr. Schräg: Wo genau putzt denn Ihr Mann?

Anruferin: Auf der Straße, direkt vor unserem Haus.

Dr. Schräg: Ihren Mann stört wohl der viele Dreck?

Anruferin: Nein, Dreck auf der Straße hat meinen Mann noch nie gestört, aber Flecken und matte Stellen kann er nicht leiden. Alles muss glänzen und spiegelblank sein, dann ist er für eine Weile richtig glücklich.

Dr. Schräg: Wie schön für ihn. Und wie äußert sich das?

Anruferin: Er steht im Wohnzimmer am Fenster und schaut auf die Straße. Manchmal steht er stundenlang da und kann sich nicht sattsehen. Wenn ich ihn zum Essen rufe, kommt er nur widerwillig in die Küche. Und kaum ist er fertig, greift er sich den Putzeimer mit den Lappen und geht wieder auf die Straße.

Dr. Schräg: Ja, um Himmelswillen, was putzt Ihr Mann denn so eifrig?

Anruferin: Habe ich das denn noch nicht gesagt, sein Auto!

Dr. Schräg: Dagegen ist doch nichts einzuwenden, wenn Ihr Mann so sehr für Sauberkeit ist und immer alles schön glänzen soll.

Anruferin: Das habe ich am Anfang auch gedacht und war heilfroh, dass er beschäftigt war und mir nicht dauernd vor die Füße lief.

Dr. Schräg: Ja, aber wieso haben Sie denn jetzt Ihre Meinung geändert und wollen am liebsten nichts mehr sehen?

Anruferin: Also, das kam so. Am Anfang ist Erwin auch nur zwei oder drei mal am Tag rausgegangen und hat ein bisschen gewischt und ein paar matte Stellen wieder blank geputzt. Wenn es geregnet hatte, ist er sofort raus und hat alles wieder trocken gerieben. Manchmal hat auch ein Vogel auf den Lack geschissen … ähm, Entschuldigung!, etwas hinterlassen und dann war er immer sehr wütend.

Dr. Schräg: Das kann man ja auch verstehen. Und wie ging es weiter?

Anruferin: Nach etwa drei Wochen putzte er schon fünf bis sechsmal am Tag und nach etwa einem Monat fast jede Stunde. Wenn es regnete, noch öfter. Er hat dann auch immer die Profile der Reifen gesäubert und sie anschließend mit dem Föhn getrocknet.

Dr. Schräg: Mit einem Föhn?

Anruferin: Ja. Auf die Idee mit dem Fön war er besonders stolz. Diese vielen Rillen nur mit dem Tuch trocken zu kriegen ist ja nicht so einfach. Zum Schluss hat er sogar das Auto mit dem Wagenheber abwechselnd angehoben, damit er überall hinkonnte.

Dr. Schräg: Ihr Mann hat hat wohl schon immer sehr gründlich und gewissenhaft gearbeitet.

Anruferin: Das stimmt, aber das mit dem Auspuffrohr ging zu weit. Da ist mir der Kragen endgültig geplatzt.

Dr. Schräg: Was war denn mit dem Auspuffrohr?

Anruferin: Es war innen manchmal etwas rußig und das hat ihn furchtbar gestört. Nach jeder Fahrt hat er es sofort wieder sauber gemacht. Das war auch der Grund, warum er später überhaupt nicht mehr gefahren ist.

Dr. Schräg: Er ist nicht mehr weggefahren, aha!

Anruferin: Nein. Und nun kommt’s. Erwin putzt jetzt auch nachts. Er hat sich dafür extra einen großen Scheinwerfer gekauft, weil die Straßenbeleuchtung nicht hell genug ist. Außerdem gehen die Lampen bei uns im Dorf schon um Mitternacht aus. Dann ist es stockdunkel und bis zum nächsten Morgen will er nicht mehr warten.

Dr. Schräg: Was sagen denn Ihre Nachbarn dazu, dass Ihr Mann so oft sein Auto putzt?

Anruferin: Das ist es ja. Sie sagen nichts, aber sie tuscheln. Und das ist viel schlimmer.

Dr. Schräg: Das verstehe ich. Haben Sie denn keine Garage?

Anruferin: Doch, wir haben eine, aber Erwin könnte dann ja seinen Liebling nicht mehr sehen und das hält er nicht aus. Er hatte mal eine Kamera installiert, aber die funktionierte nicht so richtig und außerdem machte sie nur schwarz-weiß Bilder.

Dr. Schräg: Vielleicht reden Sie mal mit Ihrem Mann und schlagen ihm einen Kompromiss vor. Wie wäre es denn, wenn er sein Auto nur noch jeden zweiten Tag putzt und nachts nur einmal in der Woche?

Anruferin: Das habe ich ja versucht, aber es hat nichts genutzt. Seit gestern schläft er sogar im Wagen.

Dr. Schräg: Das geht nun wirklich zu weit. Aber ich weiß leider nicht, was ich Ihnen noch raten könnte.

Anruferin: Wissen Sie, Herr Doktor, ich kann verstehen, dass ihr Pyschlogogen da passen müsst.

Dr. Schräg: Passen müsst?

Anruferin: Ja, aber machen Sie sich nichts draus. Jetzt ist sowieso alles zu spät.

Dr. Schräg: Wie darf ich das verstehen?

Anruferin: Erwin hat sich noch ein Auto gekauft!